
Am Sonntag, 20. September, richtet sich der politische Blick Deutschlands gleichzeitig auf Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Nach den jüngsten politischen Verschiebungen könnten die beiden Landtagswahlen auch für Bundeskanzler Friedrich Merz und die CDU erhebliche Bedeutung bekommen.
Mecklenburg-Vorpommern: AfD geht stark ins Rennen
Besonders deutlich ist die Ausgangslage in Mecklenburg-Vorpommern. Die jüngsten Umfragen sehen die AfD bei etwa 36 bis 38 Prozent und damit knapp vor der SPD, die ungefähr 30 bis 35 Prozent erreicht. Die CDU liegt dagegen nur bei rund 6 bis 7 Prozent.
Damit hat die AfD eine realistische Möglichkeit, am Sonntag stärkste Kraft zu werden. Das würde allerdings nicht automatisch bedeuten, dass sie auch den Ministerpräsidenten stellt. Entscheidend wären anschließend die Mehrheitsverhältnisse und die Bereitschaft anderer Parteien zu Koalitionen.
Berlin: Alles deutlich offener
In Berlin ist die Situation wesentlich enger. Die jüngste Infratest-dimap-Erhebung sieht die Linke bei 21 Prozent, die CDU bei 20 Prozent und die AfD bei 18 Prozent. Die Grünen erreichen 16 Prozent, die SPD 12 Prozent.
Von einem sicheren Sieg der Linken oder CDU kann deshalb nicht gesprochen werden. Die AfD liegt zwar derzeit dahinter, bewegt sich aber in einem Feld, in dem wenige Prozentpunkte große Auswirkungen haben können. Frühere Umfragen hatten die AfD zeitweise sogar an der Spitze gesehen.
Ein überraschend starkes AfD-Ergebnis ist deshalb möglich – ob es für Platz eins reicht, lässt sich aus den aktuellen Umfragen jedoch nicht ableiten.
Was passiert, wenn die AfD in beiden Ländern stärkste Kraft wird?
Sollte die AfD sowohl in Mecklenburg-Vorpommern als auch überraschend in Berlin auf Platz eins landen, wäre dies bundespolitisch ein erhebliches Signal.
Aber auch zwei Wahlsiege würden nicht automatisch zwei AfD-geführte Landesregierungen bedeuten. Ohne parlamentarische Mehrheit oder Koalitionspartner könnte die Partei trotz Platz eins in der Opposition bleiben.
Politisch würde ein solches Ergebnis vor allem den Druck auf die Bundesregierung und Friedrich Merz erhöhen. Besonders problematisch für die CDU wäre Mecklenburg-Vorpommern: Umfragen sehen die Partei dort derzeit bei historischen Tiefstwerten.
Muss Merz dann gehen?
Ein automatischer Rücktritt des Bundeskanzlers wäre mit den Landtagswahlergebnissen nicht verbunden. Friedrich Merz könnte grundsätzlich weiterregieren, solange er im Bundestag die notwendige parlamentarische Unterstützung besitzt.
Allerdings gibt es bereits vor den beiden Wahlen Diskussionen über seine politische Führung. Weitere schwere CDU-Verluste könnten diese Debatte innerhalb der Union erheblich verschärfen.
Ob daraus tatsächlich ein Rücktritt, eine personelle Neuaufstellung der CDU oder lediglich zusätzlicher Druck auf den Kanzler entstehen würde, wäre eine politische Entscheidung nach der Wahl.
Sonntag könnte zum politischen Stresstest werden
Mecklenburg-Vorpommern könnte der AfD einen weiteren bedeutenden Wahlerfolg bringen. Berlin ist dagegen vollkommen offen: Linke, CDU und AfD liegen vergleichsweise dicht beieinander.
Sollte die AfD am Sonntag in beiden Ländern stärkste Partei werden, wäre das ein außergewöhnliches Signal für die deutsche Parteienlandschaft. Ob daraus tatsächlich politische Macht entsteht, entscheidet sich jedoch erst danach – bei der Bildung parlamentarischer Mehrheiten und neuer Landesregierungen.





